Das Paradox meines Datenschutzes (2)

Veröffentlicht von Denis Domínguez am

Das Paradox meines Datenschutzes

Und hier ist sie: Der »ultimative« Knigge, um ein Gesetz vor seiner Verabschiedung auf Realitätstauglichkeit und Widersprüche zu prüfen:

  1. Das Gesetz wird so formuliert, dass der gesamte Inhalt auf ein DIN-A4 Blatt passt. Ja genau! Denn unsere Gesetze sind Kilometer lang und strecken sich über mehrere Seiten. Kein Wunder, dass KEIN Mensch sie weder versteht, noch lesen will. Also etwas kompakter bitte.
  2. Das fertige Blatt wird zur Prüfung an unser Realitätstauglichkeitsgremium weiter gereicht.
  3. Ein Realitätstauglichkeitsgremium? Ja, richtig gehört. Diese ausgezeichnete Gruppe besteht aus 7 Menschen. Und falls du dich fragst: Warum 7? Tja, die Zahl ist klein, transparent, übersichtlich und vor allem sehr schön. Außerdem habe ich irgendwo gehört, dass sie Glück bringen soll. Also, es bleibt bei 7! Es muss nicht immer alles einen Sinn ergeben. 😉
  4. Welche Personen aus unserer Gesellschaft werden in diesem Gremium repräsentiert? Wäre bestimmt deine nächste, logische Frage. Diese Antwort ist auch sehr einfach:
    Ein alleinerziehender Elternteil (Mann oder Frau),
    ein(e) Hartz-IV Empfänger(in),
    ein Bauer/ eine Bäuerin,
    ein(e) Architekt(in),
    ein(e) Politiker(in),
    ein(e) Millionär(in)
    und ein(e) Rentner(in).
    Alle aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Religionen, politischen Weltanschauungen und sexuellen Neigungen. Und falls sich jemand immer noch diskriminiert fühlt… Pech gehabt. Denn das Leben ist kein Ponyhof und wir können es nicht allen Recht machen.
  5. Um sicher zu gehen, dass ALLE das Gesetz und dessen Ziel verstanden haben, auf gut Deutsch… wofür das Ding gut sein soll, wird im Gremium eine Erklärung-Sitzung durchgeführt.
  6. Und jetzt kommt der wichtigste Teil. Das Brainstorming, wo jedes Mitglied aus der Gruppe überlegt sich einen Weg, um das Gesetz zu umgehen bzw. auszutricksen (Siehe Beispiel weiter unten).
  7. Nachdem sich alle einig sind, kann das Gesetzt verabschiedet werden.

2 - Realitaet ist

Reales Beispiel (Punkt 6):

Alle sitzen gemütlich im Gremium am runden Tisch und plötzlich sagt der Abgeordnete (AB) zu dem Arbeitssuchenden (AS) ganz stolz:
AB: »Hey… wir haben vor ein neues Gesetz zu verabschieden. Leiharbeiter werden in Betrieben beschäftigt, um Produktionsspitzen abzufangen.«
AS: «Ach so.., zeig mal her«, sagt der AS mit einem prüfenden Blick.
Der AS liest das DIN-4 Blatt in aller Ruhe und sagt:
AS: »Den Scheiß kann ich aber schnell knacken!«
AB: »Ja, wieso? Dieses Gesetz ist das Resultat wochenlanger Anstrengungen von vielen fähigen Menschen!«
AS: »Aus einem Kindergarten oder was?«
AB: Wieso?
AS: Schau mal her… Siehst du den Punkt mit der Frist? Ernsthaft? Was soll mich als Unternehmer davon abhalten, Leiharbeiter nicht nur während Spitzenzeiten anzuheuern, sondern meine gesamte Belegschaft damit zu ersetzen?!
AB: Aber, aber… mein Herr. Welcher herzlose Mensch sollte so etwas machen? Außerdem sind nur 18 Monate erlaubt.
AS: Also doch… aus dem Kindergarten!
[…]
AB: »Ok… hier hätte ich ein zweites Gesetz«, sagt er wieder ganz stolz und überzeugt von seiner Leistung, während er einen Blick zur Bäuerin riskiert.
Bäuerin: »Und was soll dieses Gesetz können?«, fragt sie mit dem Zettel in der Hand.
AB: »Wir werden endlich langjährige Arbeitssuchende wieder in den ersten Arbeitsmarkt bringen.«
Bauer: »Hmm… und wird es klappen?«
AB: »Ja, natürlich.«
Bauer: »Einfach so, oder?«
AB: Warum nicht?
Die Bäuerin las den zweiten Zettel und grinste…
Bäuerin: 1 EUR pro Stunde? Meinen Sie das ernst?
AB: 1,85!
Bäuerin: Ach so. Und jetzt sollte alles in Ordnung sein oder was?
AB: Ja, aber was wollen Sie? Diese Menschen haben sowieso keine Arbeit. Sie sollten froh sein, wenn sie einen Job haben.
Bäuerin: Aber nicht irgendeinen und vor allem für so wenig Geld! Haben sie den Teil mit der »Würde des Menschen« in unserer Verfassung schon vergessen?
[…]
AB: Und was ist mit anderen Gesetze? Wie die Mitpreisbremse und das Datenschutzgesetz. Diese sind in Ordnung oder?
Da fragt der Rentner (RE):
RE: Mietpreisbremse? Meinen Sie dieses Gesetz, dass nur funktioniert, wenn ich genau weiß, was der Vormieter monatlich bezahlt hat. Aber genau „wegen Datenschutz“ an diese Information nicht heran komme?
[…]
5 Stunden, 2 Beleidigungen und 14 Tassen Kaffee später konnten die Teilnehmer sich einigen, was mit dem Gesetz passieren sollte. Die Lücken wurden geschlossen. Die Teilnehmer hielten Händchen und sangen Kumbaya auf einem Hügel zusammen.
Das Gleichgewicht im Universum war wieder hergestellt.

3 - Realitaet - Droge

Fazit

Jetzt Spaß bei Seite. Oft stelle ich mir die Fragen:

  1. Wieso erreichen viele Gesetze genau das Gegenteil wofür sie verabschiedet wurden?
  2. Wieso sind wir Menschen von unseren Vorhaben so besessen, dass wir die Widersprüche in unseren Argumenten nicht klar sehen?
  3. Werden wir jemals ein Gesetz ohne Paradox entwickeln können?

 

Kategorien: Menschen

1 Kommentar

Das Paradox meines Datenschutzes (2) • Ein Kubaner In Bayern · So 25. November 2018 um 9:34

[…] Das Paradox meines Datenschutzes (2) […]

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