Dieser Mann ist schuld (1)

Veröffentlicht von Denis Domínguez am

Ich habe einen zweiten Freund… nennen wir ihn Markuslus. Er wollte immer ein neues Geschäft in unserer Nähe eröffnen: Von irgendetwas über Selbstverteidigung hätte er immer gepredigt. Keiner hat ihm geglaubt – und ich muss zugeben – nicht einmal ich. Vielleicht lag es an seinem Migrationshintergrund, schwere Kindheit oder wenig Selbstbewusstsein. Monate vergingen und das Thema geriet in Vergessenheit. Bis eines Tages…

Den ganzen Tag war ich bereits mit dem Gedanken beschäftigt ein Ticket für eine wichtige Fahrt in der kommenden Woche nach Österreich zu kaufen. Richtung Freilassinger Bahnhof waren auf der Straße wenige Autos unterwegs. Das ist der Vorteil wenn solche Aufgaben unter der Woche erledigt werden. Man kann in Ruhe durch die Stadt cruisen und nebenbei die Umgebung beobachten.

“Krav Maga” stand auf einem großen Plakat in roten Buchstaben mit einem schwarzen Hintergrund. Schön sichtbar über einem Getränkemarkt auf der rechten Seite der Bad Reichenhaller Straße. »Endlich!« habe ich mir gedacht. »Markuslus hat seinen Traum verwirklichen können«. Lange wartete ich auf diesen Moment – glaube ich. Also änderte ich meine Prioritäten.

Rechts ran. Beim Geschäft geparkt, schnell aus dem Auto, um die Ecke gerannt und voller Freude an der Tür geklingelt.
Keine Antwort.
“Markuslus, Markuslus!” rief ich zweimal den Namen meines Freundes in der Hoffnung seine Aufmerksamkeit zu wecken. Sekunden später ging die Glastür auf. Ein glatzköpfiger, blauäugiger, muskulöser Kerl stand vor mir.
Meine Gefahr-Antennen wurden leicht angeregt. Ich habe zu viele Geschichte über Leute seines Aussehens gelesen.

[TODO – Bild von Andi mit dem Gewicht]

»Ja, bitte?« fragte er höfflich.
»Hmm… « dachte ich mir »Mein dunkelhäutiger Freund hat sich aber in letzter Zeit verändert« Spaß bei Seite, Denis… »Konzentration ist angesagt. Fokussieren…«
»Ja, hallo…« antwortete ich überrascht aber genauso höfflich. »Ich suche meinen Freund Markuslus«.
»Markuslus? Hier ist kein Markuslus. Das ist mein Studio.« fügte der Fremde hinzu.

Nach ein paar misstrauischen, gegenseitigen Blicke und Begrüßungsritualen fragte ich den Fremden, ob ich mir sein Studio näher anschauen könne. Mit einem skeptischen Kopfnicken, bejahte er meine Bitte. Treppe hoch, an einer kleinen Bar vorbei und rein ins Hauptzimmer.

Der Trainingsraum war liebevoll eingerichtet. Es war leicht zu merken, dass viel Zuneigung in dessen Aufbau hineingeflossen war. Rechts, ein kleinerer Raum für die Trainingsartikel. Links, neben der Wendeltreppe, die zur zweiten Etage führte stand eine Musikanlage samt Schrank wohlgenährt mit Trophäen. An der Wand hingen mehrere Zertifikate und Auszeichnungen, die die Qualität der Kampfkunst des Fremden bestätigen sollten.

[TODO – Bild von altem Krav Maga Trainingsraum]

»Wow, Krav Maga…! Ich wollte immer so etwas trainieren, schön das alles hier…«, sagte ich voller Begeisterung.
»Ich kenne dich…«, fing der Fremde unseren Dialog an.
»Was…? Wie…?«, ich war verwirrt. Was meinte er damit? »Nein, wir kennen uns nicht…«, ging ich fort.
»Doch, doch… ich kenne dich«, sein skeptischer Blick mutierte zu einer ernsthaften Grimasse.
»Ok…?« dachte ich mir. Alzheimer ist bei mir noch nicht so fortgeschritten. Hin und wieder vergesse ich etwas, aber diesen Typ hätte ich mir schon gemerkt. Schließlich ist er jemand, den du bestimmt nicht zu deiner Feindesliste hinzufügen möchtest. Außerdem hat meine Freundesliste beim Facebook noch Platz, also… wozu die Eile sich Feinde zu machen.

Aber was hat gerade dieser Fremde mit »Ich kenne dich« gemeint…?


1 Kommentar

Dieser Mann ist schuld (2) - Ein Kubaner In Bayern · Fr 4. Mai 2018 um 20:44

[…] Dieser Mann ist schuld (1) […]

Kommentar verfassen