Dieser Mann ist schuld (2)

Veröffentlicht von Denis Domínguez am

Dieser Mann ist schuld (1)

»Ich kenne dich aus der Fußgängerzone.« Letztes Wochenende warst du dort und hast Werbung gemacht… Du hast Flyer für dein neues Geschäft verteilt.
»Fußgängerzone, Flyer, Werbung?« bin ich im falschen Film? Ist es so schlimm mit meinem Morbus-Alzheimer, dass ich nicht einmal über mein neues Geschäft weiß?
»Nein, nein…«, sagte ich erneut. »Ich bin mir sicher… wir kennen uns nicht« Dann merkte ich plötzlich worauf er hinaus wollte: <Der Feind ist bei mir Zuhause>. Sein Kopfkino – ein gefährlicher Verdacht, wofür ich keine Fernbedienung zur Hand hatte, um mit einem einfachen Klick auszuschalten.

Er verschränkte seine Arme und hörte auf zu sprechen. Abwehrhaltung.
Meine Antennen hatten Recht. War jetzt der Moment gekommen, wovon  all diese schrecklichen Geschichten im Internet berichten? Die Erfüllung einer immer kehrenden Prophezeiung?
»Du glaubst, dass ich ebenfalls hier ein Freilassing ein Geschäft eröffnen will…?«, wollte ich wissen »… und jetzt respektlos dein Dojo betrete um meine Konkurrenz – dich – zu spionieren?
»Ja, genau…«, er, ohne zu zögern. »Genau das glaube ich«, wiederholte er direkt in mein Gesicht.

Das ist der Nachteil, wenn alle dunkelhäutigen Menschen im Auge des weißen Mannes gleich aussehen. Verdammt! Wo ist Markuslus, wenn man ihn braucht?
»Dann haben wir ein Problem«, entgegnete ich ihm.
»Ja, das haben wir«,  bestätigte er.
Ich machte einen Schritt zurück. Seine Körperhaltung, die schweißgebadeten Stirn und die Zertifikate an der Wand erinnerten mich dran, dass ich mir meine  nächsten Worte sehr gut überlegen sollte.

Verstehe mich nicht falsch. Ich bin ein friedlicher Mensch und möchte keinen Unbekannten verprügeln. Vielleicht war es meine tiefe Intuition oder dieser Schmerz im rechten Ellenbogen oder seine Trophäen in der Vitrine, aber etwas sagte mir, dass ein Kampf nicht zu meinem Vorteil gewesen wäre.

Ich hatte da so eine Vorahnung… »Wann findet wieder Krav Maga statt?«, schaltete ich einen Gang runter.
“Dienstags und donnerstags …”, antwortete er ohne den Sinn meiner Frage verstanden zu haben.

Dann machte ich ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte: »Ich komme am Donnerstag zum Schnuppern wieder. Gib mir bitte deine Kontaktdaten. Ich werde dir gleich eine Email senden.«
Ich fuhr nach Hause ohne das Ticket für den wichtigen Termin im Ausland abgeholt zu haben. Ich war auf einer wichtigeren Mission: Meinen Ruf rein zu waschen.
»Wie teuer war das Ticket?«, wollte meine Frau wissen, als sie merkte, dass ich wieder zu Hause war. Aufgrund der Aufregung gab ich ihr keine Antwort und weckte meinen Computer aus seinem tiefen Standby-Schlaf. Schnell checkte ich diese merkwürdige Quelle des Fremden: “mein neues Geschäft”. Meine Vermutung hatte sich bestätigt: Es war Markuslus. Schnell verletzte ich das heilige Datenschutztgesetzt, kopierte ein paar Bilder meines Freundes und schickte diese per Email an den Fremden: um mein Gesicht zu bewahren. Denn ich habe den Beweis gefunden, dass ich kein Hochstapler war.

Freilassing, 2014. Eine große Entschuldigung seinerseits, drei gratis Kulanz-Schnupperstunden und zwei Wochen später war ich Mitglied einer tollen Selbstverteidigungstruppe:

Und habe einen weiteren guten Freund gewonnen: Andreas Leppertinger.
Der Mann, der Krav Maga nach Freilassing gebracht hat.
Der Mann, der mit Disziplin dafür sorgt, dass ich fit bleibe.
Der Mann, der dran schuld ist, dass meine Motivation nie erlöscht und ich täglich etwas Gutes für meinen Körper tue.

Denn es ist dein Körper, machst du auch etwas daraus?

Startseite Andreas Leppertinger / http://www.energym360.com/

 


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